Praxis Dr.med. Rolf Nussbaum Augenarzt FMH, 8302 Kloten (Z?rich)
Praxis Dr.med. Rolf Nussbaum Augenarzt FMH, 8302 Kloten (Z?rich)
Lageplan der Praxis Dr.med. Rolf Nussbaum, Augenarzt FMH

Aerzteorganisationen sind in unserem Land fast gesetzmässig uneinig und damit nicht in der Lage, wichtige Anliegen, auch innerhalb eines Fachgebietes und Verbandes, politisch mit genügendem Gewicht zu vertreten und auch durchzusetzen. Ein wirksamer Lobbyismus wie bei Krankenkassen- und Pharmavertretern existiert nicht. Die Aerzteschaft in unserem Land wurde in den letzten Jahrzehnten gesellschaftlich zunehmend degradiert, Aussagen von Aerzten haben heute ausserhalb der Sprechstunde kaum noch Gewicht.

Daher kommt es bei der Einführung von Innovationen, medizinisch - politischen Entscheiden und bei Tariffragen regelmässig zum Diktat der Versicherungen. Dieses Diktat ist sogar im Krankenversicherungsgesetz verankert worden. Es verpflichtet die Versicherer geradezu, die "Leistungserbringer", wie wir auch bezeichnet werden, beständig zu kontrollieren und zu korrigieren. (Wir haben heute sogar eine eigene EAN Nummer wie ein Produkt im Supermarkt, lächerlich, nicht ?). Nebst exorbitantem Verwaltungsaufwand auf allen Seiten versuchen medizinische Laien, sich in das Fachgebiet und damit in die Behandlung unserer Patienten einzumischen, ja sie gegen ihren Arzt aufzubringen. Gesundheitsökonomen und Beratungsfirmen verdienen unglaubliche Summen, ohne auch nur ein Bisschen Verantwortung für das Verursachte zu übernehmen. Geschickte Kassenstrategie sorgt dafür, dass notwendige, moderne Untersuchungen und Behandlungen nicht oder nur mit Zusatzkosten angewendet werden können. Expertenmeinungen werden regelmässig in den Wind geschlagen und durch Meinungen von undurchsichtigen "Vertrauensärzten" ersetzt. Die Zweiklassenmedizin ist längst Tatsache geworden.

In Zukunft wird es in jedem Fachgebiet darum gehen, Grundbedürfnisse von Behandlungen nach dem neuesten Stand der Medizin modular zu trennen, dies aber auch ehrlich von Seiten der Versicherungen und Aerzte den Kunden, sprich Patienten zu kommunizieren und zu verkaufen !

Die Leidtragenden in der heutigen Politik sind natürlich immer die Patientinnen und Patienten. Dies muss in Zukunft ändern ! Es ist wichtig, dass Sie erkennen, dass nur Sie selber die Leistungen definieren, die Sie erhalten. Steigen Sie dafür auf die Barrikaden !!

Bei Versagen der Instanzen auf Aerzte - Versicherungs - und Politik - Ebene müssen Sie oft aus dem eigenen Sack die Differenzen berappen. Eine unehrliche und unhaltbare Situation nicht nur in unserem Fachgebiet.

Bilaterale Verträge (Qualitätssicherung kaum mehr möglich)
Die Anerkennung ausländischer Diplome und Ausbildungen muss gezwungenermassen zum Rückgang der Ueberwachungsmöglichkeiten bezüglich Ausbildung führen. Diplome müssen heute international abgesprochen werden, ja Prüfungen finden oft im Ausland statt ! Facharzttitel wie der "Facharzt für Augenchirurgie FMH" haben im Ausland kein Pendant und haben wahrscheinlich kaum eine Ueberlebenschance, will man nicht die eigenen jungen Kolleginnen und Kollegen benachteiligen. Mit dem Niederlassungsstopp für Jungärzte, welcher giesskannenartig, undifferenziert und im Kanton Zürich sehr restriktiv angewendet wird, können die Bedürfnisse der Patienten zunehmend nicht mehr genügend abgedeckt werden. Jungärzte versorgen aber das Gesundheitssystem mit frischem Knowhow, sodass dies wirklich einem Eigengoal gleichkommt.

Krankenkassen
Der Tarifdruck auf uns nimmt ständig zu, obschon wir seit mehr als 30 (Dreissig !) Jahren keine Preisanpassungen an die Teuerung machen konnten ! Keine Berufsgruppe würde sich so etwas je bieten lassen ! Entsprechende Statistiken zeigen mit purer Deutlichkeit seit vielen Jahren die sukzessive wirtschaftliche Demontage des Arztes im Vergleich zu Angestellten oder gar Arbeitern in dieser Gesellschaft. Hier bleibt natugemäss kein Verhandlungsspielraum mehr für "Kostenneutralität"....

Mit dem Tarmed, dem seit 2004 eingeführten Arzttarif, werden die Augenärzte wie viele andere Fachgruppen nochmals deutlich anders entlöhnt. Dies sollte zu Strukturreformen führen, welche auch erfolgten. Dabei geht aber leider immer wieder vergessen, was schon immer und seit Anbeginn das Ziel dieses Tarifs war: Betreuungsleistungen wie Notfälle, Berichte, Telefone usw. sind heute deutlich teurer, technische Leistungen wie Laserbehandlungen und Operationen wurden aber bezüglich Abgeltung brutal demontiert.

Unter dem Strich ist der Tarmed stark wirklichkeitsverzerrend, hoch kompliziert, extrem teuer in der Wartung und Anwendung und für Patienten schlicht unverständlich, da vernünftige erklärende Texte auf den Rechnungen und eine klare Darstellung nicht mehr möglich sind. Die Tarmed -Einführung 2004 war unnötig, da schon damals ein gesamtschweizerischer Tarif bestand, welcher mit wenig Kosten hätte eingeführt werden können. Nur in meiner Praxis allein sind durch diese Einführung Hard - und Softwarekosten sowie Umstellungskosten in Höhe von ca. Fr. 40000.- entstanden, welche niemals von Irgendjemandem bezahlt wuden. Ebenso haben sich die laufenden Betriebskosten der EDV durch massive Verteuerung der Softwarewartung vervielfacht, was ebenfalls von niemandem bezahlt wird.

Ein Bekannter aus Canada brachte es bei der Diskussion um Aerztetarife auf den Punkt: "Was, kann sich die Schweiz als so kleines Land denn so einen teuren Tarif überhaupt leisten ?" Wer gibt ihm die Antwort ? Die Zukunft ? Dieser Tarif hat keine ......

Operationen
Die Demontage der OP Honorare hat dazu geführt, dass viele erfahrene Operateure aufgehört haben, gewisse Standardeingriffe anzubieten. Der andere Effekt ist, dass Standardeingriffe zunehmend fabrikmässig durchgeführt werden, für die Patienten wenig angenehm. Gerade Operationen wie der graue Star werden durch diese Demontage zum Massenprodukt degradiert, welches man mit hoher Geschwindigkeit durchführt. Hier noch Sicherheit und Qualität auch in technisch schwierigeren Situationen zu bieten gehört meiner Meinung nach zu den heutigen Herausforderungen dieser Chirurgie. Längerfristig dürfte es mit dem Nachwuchs eher kritisch werden, werden doch in diesem Land immer weniger gute Augenchirurgen ausgebildet, welche eine stabile und gute Qualität der Eingriffe gewährleisten können. Entsprechende Ausbildungsplätze fehlen heute.

Sprechstunde
In den letzten Jahren wurde der Einsatz einer Praxisassistenz bei mir immer wichtiger, die Besetzung durch entsprechende KollegInnen aber nicht einfacher oder unmöglich. Selbständige Sprechstundenarbeit und entsprechende Erfahrung sind hier wichtige Voraussetzungen zur Aufrechterhaltung der geforderten hohen Behandlungsqualität. Ich beobachte in den letzten Jahren zunehmend die fordernde Haltung vieler Patienten gegenüber dem Arzt. Die Medikamentenabgabe in der Praxis wird von 94% unserer Patienten gewünscht (Umfrage Dez. 99). Trotzdem wird sie von der Regierung mit allen Mitteln bekämpft, obschon bereits zwei Abstimmungen im Kt Zürich klar die Freigabe befürwortet haben. Eine sinnlose politische Zwängerei. Andererseits soll dann Migros der Vertrieb von Medikamenten erlaubt werden. Mit welcher Legitimation ? Migros gegen das Knowhow der Aerzte ? Schöne neue Welt !

Fortsetzung folgt !

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